Es geht im Folgenden weniger um die Sicherung der Ernährung durch Insekten, als um die Rolle von Private Equity zur Stärkung unserer Wirtschaftskraft. Wie funktioniert das?
Nach vier Jahren Versuch eines Politikwechsels sind wir nun wieder da, wo wir vorher waren: in den Händen von Parteien, die eine glaubensbasierte Machtpolitik für Wenige betreiben. In die Hände von Parteien, die Deutschland dorthin gebracht haben, wo wir verzweifelt wegkommen wollen: vom Abgrund der Stagnation von Wachstum, Produktivität und Wohlstand, Innovations- und Wettbewerbsschwäche, Populismus, Überalterung und Klimakrise.
Es ist eine Politik, die ihr Fähnchen in den Wind der öffentlichen Meinung hängt. Nichts von Prinzipien- oder Wertetreue. Brandmauer? Egal. Schuldenbremse? Nur solange sie uns nicht behindert. Korruption? Nur bei den anderen. Wir schwärzen!
Es ist eine Politik mit dem Motto: Als Opposition hat man die Aufgabe gegen alles zu sein, was die Regierung macht. Es ist eine Politik des Gegeneinanders und des Ichs anstatt das Gemeinsame zu suchen und zu versuchen.
Es ist eine Politik des Wunderglaubens. Als Technologieoffenheit getarnt hofft man, dass schon irgendwann, irgendwie, irgendwer etwas erfinden wird, was uns rettet. Weil alles andere hart wäre, man die verfügbaren Alternativen nicht mag und dem Alten, Abgehalfterten anhängt, z.B. Kernkraft. Anstatt auf das aufzubauen, was heute wissenschaftlich belastbar existiert.
Es ist eine Politik der Passivität. Einfach der Wirtschaft genug Freiheit und Geld geben. Die wird das schon irgendwie richten. Und der Rest der Bevölkerung wird dann schon irgendwie davon profitieren (Trickle-down-Effekt). Anstatt strategische und clevere Rahmenbedingungen zu definieren.
Das besonders zynische daran sind die Buchstaben in den Namen der Parteien. C steht eigentlich für Nächstenliebe und Respekt vor der Schöpfung. Oder S für Brüderlichkeit. Gerade die Parteien, die das im Namen tragen tun es nicht. Insbesondere die, die beide Buchstaben im Namen tragen.
Optimistischer Ausblick
Wo ist sie also, die Hoffnung? Gibt es da noch etwas? Oder sollten wir lieber alle auswandern? In Länder wie die USA wo alles MAGA ist oder war es TACO? Uns in die Fänge von Führern mit vermeintlich klaren Visionen begeben wie Orban, Erdogan, Wilders, Trump oder Putin, die jedoch nur so weit tragen wie die eigene Machtinteressen? Geht also auch nicht.
Also bleiben wir und suchen nach dem Guten was uns noch bleibt in diesem Schlamassel. Und es gibt es. Für mich liegt es in unserer Demokratie, Menschen und Wirtschaft.
Demokratie
Entgegen allen berechtigten Bedenken über unsere öffentliche Diskussionskultur und Meinungsfreiheit: Wir können in Deutschland immer noch, im Vergleich zu anderen Ländern (ich habe dort gelebt), unsere Meinung sagen. Vielleicht wollen wir es nur nicht mehr oder verwechseln Meinungsfreiheit mit der Erlaubnis zur unreflektierten emotionalen Hetze. Es geht aber noch. Das ist eine unglaubliche Stärke.
Menschen
Trotz Populismus und Spaltung unserer Gesellschaft, es gibt sie noch, die wohlmeinenden und -tuenden großen Menschen, die spenden, an den Tafeln arbeiten, den die Finger in die Wunden legen und gleichzeitig versuchen sie zu heilen. Menschen, die Gemeinsamkeit und Menschlichkeit betonen und jeden Tag leben. Im Lichte unserer Herausforderungen als Gesellschaft, Land und Welt. Ich treffe sie täglich. Das macht Mut.
Die Raute war Ausdruck dessen. Angela Merkel glaubte daran, dass die deutsche Gesellschaft und Staat die Kraft haben, die konkrete menschliche Not unserer syrischen Mitmenschen zu lindern. In Anerkennung unserer Fähigkeiten, Stärke, und eigenen Geschichte. Da ist was dran. Geht aber nicht ewig so, da es stille Reserven auflöst. Das Auflösen stiller Reserven in Staat, Gesellschaft und Infrastruktur, darf nicht Generalprinzip der Politik sein. Sonst stürzen Brücken ein, Gräben werden tiefer und Handlungsspielräume kleiner.
Wirtschaft
Und unsere Wirtschaft? Die ist gespalten. Gerade unsere großen Vorbilder wie VW oder Bayer haben mit Kurzsicht und Betriebsblindheit offensichtliche Entwicklungen in ihren eigenen Kernmärkten übersehen oder zumindest arrogant abgetan. Schuld ist dann die Politik und nicht man selbst. Investieren muss bitte der Staat. Ja, klar, es braucht verlässliche, fördernde, aber auch fordernde Rahmenbedingungen. Aber wo ist da das Unternehmertum?
Als Kinder lernten wir, dass man bei sich selbst anfangen muss. Dass beim Zeigen auf andere immer drei Finger auf einen selbst zeigen. Und als Unternehmer?
Die Wirtschaft ist nicht auf Autopilot. Anders als unser Erziehungssystem uns fälschlicherweise lehrt: 100% Performance ist im Leben nicht vordefiniert und erreichbar. “Lerne gut, tue was man dir sage, dann wird es dir gut gehen” ist ein hohles Versprechen des Systems, das mit diesem kippt.
Im Lichte der großen, zahlreichen und immer schnelleren Veränderungen einer VUCA-Welt ist reaktives Management der Konjunkturausschläge entlang eines ewigen Wachstumspfades nicht mehr ausreichend. Es braucht einen Paradigmenwechsel (Thomas S. Kuhn) und den Mut zur schöpferischen Zerstörung (Joseph A. Schumpeter).
Das Ende management-geführter Kapitalgesellschaften
Das Konzept der management-geführten Kapitalgesellschaften scheint dazu nicht in der Lage. Weil keine Stakeholder-Gruppe ein langfristiges und belastbares Interesse am Erfolg des Unternehmens hat oder die Kraft, große Veränderungen durchzustehen.
Management? Nur an der eigenen Karriere interessiert, auf Abruf eingestellt (CEOs haben die kürzeste Verweildauer aller Rollen) und durch die Anreizsysteme auf Kurzsichtigkeit gebürstet. Selbst 3, oder sogar 5 Jahres-Incentives müssen heutzutage als kurzfristig gelten. Länger geht nicht. Wer bleibt schon so lange?
Angestellte? Werden als (Human) Resources bezeichnet und entsprechend behandelt und instrumentalisiert. Kündigen am ehesten, wenn das Management schlecht ist. Und das ist es, siehe vorherigen Punkt. Die Leistungsträger kündigen vertraglich. Andere innerlich, weil sie in prekären Beschäftigungsverhältnissen gefangen sind, das Geld vor dem Monat zu Ende ist, und sie nicht raus können.
Eigentümer? Die meisten Aktienbesitzer sind Kapitalisten und nur am kurzfristigen Wertzuwachs interessiert. Die Aktie performt nicht? Die Kurven bewegen sich in die falsche Richtung? Abstoßen!
Die Hoffnung eigentümer-geführter Unternehmen
Wo sind sie also, die Eigentümer mit Skin-in-the-game, die motivierten Mitarbeiter und weitsichtigen Manager, die zusammen zukunftsfähige und nachhaltig erfolgreiche Unternehmen schaffen?
Es gibt sie und ich sehe sie dann, wenn ich mit eigentümer-geführten und Familien-Unternehmen spreche. Dann höre ich es. Photovoltaik? Machen wir schon seit Jahren! Weil es sich rechnet. Investitionen? Natürlich! Weil es richtig und wichtig ist. Moderne Arbeitskonzepte? Selbstverständlich! Weil es funktioniert. Klar, nicht immer, aber immer öfters. Geht also doch.
Nun zum Punkt dieses Artikels: wo gibt es das sonst noch, wie schafft man das und wie geht mehr? Die Antwort: Private Equity.
Private Equity als Retter
Private Equity ist auf der Suche nach Rendite, die sich kaum anders in dieser Höhe erzielen lässt. Es handelt nicht aus altruistischem Interesse für Deutschland. Auf den ersten Blick ist das Kapitalismus pur, der im extremsten Ausschlag als Heuschrecke bezeichnet wurde.
Heuschrecke bezeichnet PE-Firms, die durch Filetieren und Zerschlagen von Unternehmen in ihre Einzelteile in Summe mit deren Verkauf über Nacht mehr erzielen wollen, als sie bezahlt haben. Zum Nachteil aller anderen.
Das ist Vergangenheit. Heute verfolgen PE-Firms nachhaltige Wertsteigerung. Nur so lassen sich zuverlässig hohe Renditen erzielen. Zum Nutzen der Eigentümer, aber eben auch zum Nutzen der Mitarbeiter, der Gesellschaft und Deutschlands.
Wenn heute eine PE-Firm in ein Unternehmen investiert, bedeutet dies: es bekommt ein Fitnessprogramm verschrieben, das Zukunftsfähigkeit schafft und den langfristigen Erfolg des Unternehmens sichert.
Wenn Private Equity ein Unternehmen übernimmt, schafft es:
- Eine realistische Basis durch Abschätzung von Chancen und Risiken durch Due Diligence auch der großen Themen wie AI, ESG und Globalisierung
- Eine langfristige Unternehmensvision, die auf der realistischen Basis und dem Potential des Unternehmens aufbaut und weit in die Zukunft blickt
- Einen Plan, wie man dort hinkommt z.B. als Full Potential Plan (FPP)
- Eine Management- und Eigentümer-Struktur, die das umsetzt
Das ist nicht immer leicht und auch nicht erfolgreich trotz allen Foresights und Kompetenz.
In vielen Unternehmen haben sich die Leute eingerichtet und arrangiert mit dem, was ist und was nicht geht. Manche sind frustriert und haben resigniert. Wenn nun ein neuer Wind weht, werden manche wach und hoffnungsvoll, andere werden davon geweht. Ich habe das oft in meinen Transformationen erlebt. Das ist unglaublich dynamisch und braucht ein aktives und empathische Hands-on Management.
Am Ende kommt es aber oft zusammen. Die typische fünf Jahres-Haltedauer ist eine realistische Zeit, das Fitnessprogramm in Form einer Transformation abzuschließen und die gewünschte Wertsteigerung um den Faktor 3 zu erreichen. Besonders wenn man auf Ambidextrie und nicht Agilität abstellt.
Danach haben wir ein rundum-erneuertes Unternehmen, das im harten Gegenwind des globalen Innovationswettbewerbs besteht.
- Davon wollen wir mehr: Ein besseres Unternehmen nach dem anderen stärkt die Wirtschaftskraft und den Wohlstand Deutschlands.
- Davon brauchen wir mehr: Die Gen-X Unternehmer gehen in Rente und wollen verkaufen. Der Veränderungs- und Innovationsdruck steigt, der Wettbewerb wird härter.
- Davon können wir mehr: Kapital ist vorhanden, die Deutschen werden immer reicher und während Unternehmen wie z.B. LIQID oder NAO kleinere Vermögen für Private Equity hebeln. Und wir verfügen über viele gut ausgebildete und motivierte Professionals, die das umsetzen können und wollen.
Private Equity ein noch viel zu wenig genutzter Hebel, der durch das Zusammenbringen von Kapital, kompetentem Management und auf Basis realistischer, faktenbasierter und langfristiger Perspektiven zukunftsfähige Unternehmen schafft, die den Standort Deutschland sichern und voranbringen und damit die Heuschrecke zum Retter machen.
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